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Geschichten

Geschichten von Elba

Geschichten dieser Insel, erzählt von denen, die sie leben. Hier vollständig veröffentlicht, mit der Unterschrift dessen, der sie geschrieben hat.

Das sind keine Reiseführer und keine Reisetipps, das sind Geschichten. Wir veröffentlichen sie so, wie sie geschrieben wurden, ungekürzt.

Dies ist die erste. Weitere folgen.

Freundschaften unter Wasser

MARE

Ein Apnoetaucher, der seit Jahrzehnten zu denselben Felsen zurückkehrt, über Zackenbarsche, die nicht mehr fliehen, Kraken, die nie aufhören wollen zu spielen, und Seesterne, die Vertrauen fassen.

Ein tiefroter Purpurstern mit langen, zylindrischen Armen auf felsigem Grund vor der Insel ElbaFoto des Autors
Der Purpurstern (Ophidiaster ophidianus) auf dem Meeresgrund von Elba.

Liebe Freunde,

ich möchte mit euch über etwas Wichtiges sprechen: die FREUNDSCHAFT.

Auch euch halte ich für Freunde, denn wenn ihr Elba liebt, haben wir eine Leidenschaft gemeinsam, und wahrscheinlich versteht ihr mich.

Fast täglich habe ich das Bedürfnis, in unser Wasser zu steigen. Ich nehme mein Bötchen, manchmal nur für eine halbe Stunde, die ich der Arbeit abstehle, und besuche ein paar Freunde, die ich unter Wasser kennengelernt habe.

Ich bin ein bescheidener Apnoetaucher, aber wir haben das Glück, an einem Ort zu leben, wo man leicht pelagischen Fischen begegnet, Bernsteinmakrelen, Zahnbrassen und vielem mehr. Wunderschöne Fische, deren Anwesenheit aber von vielem abhängt: Strömungen, Jahreszeiten und so weiter. Meine wahren Freunde sind deshalb etwas vertrauter und ortstreuer: Umberfische, Muränen, Zackenbarsche, Kraken und auch Seesterne.

Besonders die letzten drei sind meine liebsten Freunde.

Auch sie ziehen umher und haben ihre saisonalen Gewohnheiten, aber wenn man sie kennenlernt, findet man sie leichter jeden Tag wieder und baut eine Beziehung auf.

In den letzten Jahren sind die Zackenbarsche mehr geworden und bewohnen unsere Gründe wieder, auch in geringer Tiefe. Zackenbarsche sind allerdings gefräßige Räuber, und das geht zulasten der Kraken, die ohnehin unter wahlloser Fischerei leiden und stark zurückgegangen sind.

Zackenbarsche und Kraken sind beide neugierig, und ist das anfängliche Misstrauen überwunden, werden sie sehr gesellig.

Um sie sich zum Freund zu machen, genügen ein wenig gutes Futter und ein paar höfliche Besuche bei ihnen zu Hause – und fertig!

Das Geheimnis ist, immer dieselbe Maske zu tragen, dieselben Flossen, möglichst dieselbe Badehose, und nicht zu aufdringlich zu sein. Die ersten Male ist es auch wichtig, ungefähr zur selben Stunde zu kommen; später braucht es das Futter nicht mehr, die Freundschaft genügt.

Wenn ich mich ihren Höhlen nähere, kommen sie, sobald sie mich erkennen, fröhlich heraus, um Gesellschaft zu leisten.

Und Kraken sind, wenn sie einen ins Herz geschlossen haben, die zärtlichsten Wesen und wollen gar nicht mehr aufhören zu spielen.

Leider finde ich die Höhlen manchmal zerstört, mit deutlichen Spuren menschlichen Eindringens. Einmal sah ich sogar einen lieben Freund, der mich ansah, verheddert auf der Harpune eines Touristen, der ihn an die Oberfläche brachte. Mir war zum Weinen. Ich war eine Woche lang niedergeschlagen.

Krokodilstränen, denn im Restaurant esse auch ich gern einmal einen Fangarm – nur nicht den meines Freundes!!! Und wenn ich daran denke, dass Krakenfang als Junge meine Spezialität war… Kurz, mir ist klar, dass ich völlig widersprüchlich bin, aber so ist es!

Im Grunde war das Fischen für mich der Weg, das Meer zu lieben und zu verstehen, wo alle Räuber sind, auch wir, aber wir können es mit Respekt und Maß sein.

Kommen wir aber zu den Seesternen, die ebenfalls seltener werden. Ich liebe sie alle, doch unter den Arten gibt es auf Elba auch eine große, die buchstäblich wunderbar ist: den Purpurstern (Ophidiaster ophidianus), den wir hier Stella Serpente nennen.

Trotz eines Namens, der bedrohlich klingen mag, ist er völlig harmlos, wunderschön, und er nimmt mir das Herz.

Es sind Sterne, die für den, der zu suchen weiß, gar nicht so selten sind, und nicht zu verwechseln mit den häufigeren, kleineren Roten Seesternen (Echinaster sepositus). Ausgewachsen messen sie im Mittel 35 bis 40 cm im Durchmesser, manche Exemplare erreichen 50 cm und mehr. Sie haben prächtige Farben, von tiefem Rot über Violett bis hin zu Blau, aber auch gelb, orange oder gefleckt; sie sind ein Schauspiel.

Diese Seesterne sind kluge und empfindsame Wesen, sie bewegen sich mit einer gewissen Leichtigkeit und sind außergewöhnliche Räuber. Obwohl sie erforscht werden, bleibt manches rätselhaft, etwa ihre Lebensdauer: manche sprechen von etwa 35 Jahren, andere behaupten, sie könnten 60 erreichen.

Es ist inzwischen bekannt, dass Seesterne ein passables Sehvermögen haben und Empfindungen kennen. Wenn ich neue finde und ihnen zu nahe komme, erschrecken sie und wechseln den Platz; besuche ich sie aber weiter, ohne sie zu versetzen oder unsachgemäß anzufassen, fassen sie mit der Zeit Vertrauen.

Einige dieser Freundinnen besuche ich seit Jahrzehnten. Ich habe sie wachsen sehen, denn auch ich habe viele Jahre auf dem Buckel.

Purpursterne sind eine geschützte Art; zum Glück schmecken sie nicht und bleiben meist in ihren Höhlen verborgen. Aber wenn sie auf Jagd gehen oder ein wenig Licht suchen, kommt irgendein Dummkopf daher, findet sie und kann der Versuchung nicht widerstehen, die Trophäe mit nach Hause zu nehmen. Sie ahnen nicht, welchen Schaden sie anrichten!

Das eigentliche Problem sind jedoch die spezialisierten Wilderer, die sie nachts mit Lampen und Flaschen massenhaft einsammeln und an private Aquarien oder zu Dekorationszwecken verkaufen. Auch dieses Jahr habe ich wunderschöne Freundinnen verloren, an denen ich hing.

Andere spüren die Gefahr, verschwinden oder wechseln den Bereich. Manchmal bin ich wochenlang in Sorge – wenn ich sie dann endlich wiederfinde, ist es für mich eine Freude.

Und die Freundschaft geht weiter.

— MARE

Auf Italienisch geschrieben. Dies ist unsere Übersetzung.

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